Infertilität

Ungefähr 15 % der Bevölkerung sind ungewollt kinderlos. Dies ist teilweise durch späte Familiengründung bedingt. Mit zunehmendem Alter nimmt die Fruchtbarkeit, insbesondere bei der Frau ab Mitte dreißig, ab.

Weibliche Unfruchtbarkeit

Ein Eileiterverschluss ist in ca. 20% der Fälle die Ursache der weiblichen Unfruchtbarkeit. Die Eileiter sind kleine, empfindliche Organe, die die Eizelle nach dem Eisprungs aufnehmen. In ihnen findet die Befruchtung mit der Samenzelle statt. Der entstehende Embryo wird dann zur Gebärmutterhöhle transportiert, wo er sich einnisten kann.
Vorausgegangene Operationen im Unterbauch oder Entzündungen, wie zum Beispiel eine Eileiterentzündung (engl. Pelvic Inflammatory disease = PID), können zum Verschluß der Eileiter führen.
Weitere Ursachen für weibliche Unfruchtbarkeit sind hormonelle Störungen,die einen Eisprung verhindern und/oder eine Einnistung des Embryos in der Gebärmutter unmöglich machen. Weitere Gründe können frühere Entzündungen der Gebärmutterhöhle, Fibrome, Endometriose oder immunologische Erkrankungen sein.

Männliche Unfruchtbarkeit

Männliche Unfruchtbarkeit ist ein zunehmendes Problem. Ursache hierfür sind, ebenso wie bei den Frauen, bestimmte Lebensgewohnheiten, wie Rauchen , Promiskuität und Umweltfaktoren, wie zum Beispiel Smog.
Als weitere mögliche Gründe für männliche Unfruchtbarkeit sind zu nennen: Varicozele (Krampfadern am Hoden) und Infektionen.
Bei Männern sind Hormonstörungen selten, können aber eine verminderte oder fehlende Spermienproduktion verursachen.

Ist Fruchtbarkeit messbar?

Etwa ab dem 35. Lebensjahr nimmt die Fruchtbarkeit bei der Frau ab. Die individuellen Unterschiede sind jedoch erheblich: manche Frauen haben bereits mit Mitte Dreißig Schwierigkeiten zu empfangen, andere hingegen werden noch mit Ende Vierzig spontan schwanger.
Im Rahmen eines Fertilitätschecks können Frauen, genauere Informationen über ihre Fruchtbarkeit erhalten. Die Untersuchung umfasst die Zählung der Antralfollikel der Eierstöcke mittels Ultraschall und die Bestimmung des Anti-Müller-Hormons. Zur Anamnese gehört ferner der Ausschluss von Erkrankungen wie z.B.Hormonstörungen oder Endometriose.
Allen Frauen über Dreißig, die eine Schwangerschaft erst zu einem späteren Zeitpunkt anstreben, aber auch Frauen über 35 Jahren mit noch unerfülltem Kinderwunsch, geben die Untersuchungen im Rahmen des Fertilitätschecks wertvolle Informationen und eine wichtige Orientierungshilfe bei der individuellen Familienplanung.

Untersuchungen

Einige Untersuchungen sind routinemässig nach den Richtlinien der ESHRE ( European Society for Human Reproduction and Embryology ) vorgegeben, andere werden nach individuellen Erfordernissen verschrieben.
Es folgt eine Liste der zu erwartenden Etappen bei Ihrer Visite:

  • vollständige Krankengeschichte
  • körperliche Untersuchung
  • Blutabnahme zur Bestimmung der Hormone und des Immunstatus
  • Ultraschall
  • Diagnostische Eingriffe, wie z.B.
  1.  Hysteroskopie (Gebärmutterspiegelung),
  2.  Laparoskopie (Bauchspiegelung),
  3.  Hysterosalpingographie oder HSG (Eileiterdurchgängigkeitstest)
  • Untersuchung des Samens
  • Bestimmung der Chromosomen beider Partner

Behandlung

Mögliche Vorgehensweisen bestehen in der Überwachung des Zyklus, Stimulation der Eierstöcke, Intrauteriner Insemination bis hin zu IVF/ICSI und Kultivierung bis zur Blastozyste.
Falls in der Familienanamnese genetische Erkrankungen bekannt sind, können wir mit Hilfe der genetischen Präimplantationsdiagnostik ,PGD,. am frühen Embryo genetische oder chromosomale Anomalien aufdecken. Eventuelle Implantationsprobleme , die durch unzureichende Qualität der Gebärmutterschleimhaut bedingt sein können, werden mittels ERA Test evaluiert.
Bei frühzeitiger Menopause ist die Behandlung mit gespendeten Eizellen möglich.

Zyklus-Überwachung: Erfolgt mit Hilfe von Ultraschall und Hormonbestimmungen im Blut. Dies erlaubt die Eizellentwicklung und Reifung zu überwachen.

Eizellgewinnung: Eizellen werden durch die Scheide, unter Narkose, entnommen.

IVF: Hierunter versteht man die Vereinigung von Ei und Samenzelle im Labor. Die Befruchtung erfolgt dann spontan und erlaubt hiernach die Entwicklung zum Embryo.

ICSI: Die Injektion einer einzelnen Samenzelle in die Eizelle. Mit dieser Technik können die meisten Formen der männlichen Unfruchtbarkeit, wie z.B. reduzierte Mobilität des Samens, überwunden werden.
Die Abkürzung steht für intra-cytoplasmatic-sperminjection.

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PESA/TESA: Dies sind beides Techniken, um Samenzellen zu gewinnen, entweder direkt aus den Hoden oder aus den Nebenhoden.
PESA ist die Abkürzung für percutaneous-epidydimal-spermextraction und TESA steht für testicular-extraction of sperm.
Diese Techniken können angewandt werden, wenn aus dem Ejakulat keine Samenzellen gewonnen werden können.

Embryonen Transfer: Nachdem sich die befruchteten Eizellen zu Embryonen entwickelt haben , können diese mit einem dünnen und flexiblen Katheter in die Gebärmutterhöhle übertragen werden .Die Prozedur ist schmerzlos und benötigt deshalb keine Narkose. Frühestens 14 Tage nach dem Embryonentransfer kann ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden.

Embryonen Implantation: Die Embryoeinnistung in das Endometrium wird wie in der Natur mit Hilfe von Progesteron unterstützt und hängt nicht von körperlicher Aktivität ab. Trotzdem empfehlen wir den Frauen ein „normales“ Leben zu führen und unnötigen Streß zu vermeiden.

Assisted Hatching (Bebrütung): Es handelt sich um eine Technik, die die Entwicklung der Embryonen unterstützt und den Einnistungsvorgang verbessert.
In manchen Fällen lőst sich eine Schutzschicht des Embryos, die “zona pellucida” nicht auf und verhindert eine korrekte Einnistung des Embryos in das Endometrium. Assisted Hatching kann mittels chemischer oder physikalischer Behandlung ebendiese Schutzschicht durchlässiger machen.

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Einfrieren von Embryonen Kryokonservierung

Embryonen, die nicht für einen Transfer verwendet werden, können für zukünftige Behandlungen eingefroren und gelagert werden. Eine wiederholte Eierstocksstimulation kann somit vermieden werden.

Einfrieren von Eizellen (Social freezing)

Das Einfrieren und Lagern von Gewebe aus Eierstöcken oder Eizellen nach einer Stimulation, stellt bei manchen Erkrankungen wie Krebs mit Chemotherapie die einzige Möglichkeit dar, die Fruchtbarkeit zu erhalten. Auch andere private oder professionelle Gründe eine Schwangerschaft zu einem späteren Zeitpunkt zu planen erlauben mittels Einfrieren von Eizellen den Erhalt der Fruchtbarkeit.

Präimplantationsdiagnostik

Am 5. Tag nach Eizellbefruchtung entwickelt sich der Embryo zur Blastozyste. In diesem Stadium besteht er aus einer Vielzahl von Zellen , die die Entnahme einer Zelle zur chromosomalen oder genetischen Untersuchung erlaubt.
Erstere wird als Pre-Implantation Genetic Screening ( PGS ) und letztere als Pre-Implantation Genetic Diagnosis( PGD ) bezeichnet.
Die häufigste chromosomale Anomalie, das Down Syndrom, aber auch seltene genetische Erkrankungen , wie zum Beipsiel Mukoviszidose, können so frühzeitig entdeckt werden.
Erkrankte Embryos werden dann von einem Transfer ausgeschlossen. Damit erübrigt sich eine NIPT oder Amniozentese, in den ersten Wochen der Schwangerschaft.

Eizellspende

Die Eizellspenderin muss sich einer ovariellen Stimulation unterziehen, um Eizellen zu produzieren. Diese können dann im IVF mit dem Sperma des Ehemanns des Empfängerpaares befruchtet werden. Nur Frauen unter 35 Jahren, die bereits Kinder haben, eignen sich als Eizellspenderin. Vor der Behandlung wrid die Spenderin sorgfältig untersucht und nach den äußerlichen Merkmalen des Empfängerpaares ausgewählt.

Das Paar

Das Empfängerpaar muß sich ebenfalls einer medizinischen Untersuchung unterziehen. Eine psychologische Beratung wird generell empfohlen. Dies soll insbesondere dem besseren Verständnis der emotionalen und sozialen Konsequenzen einer erfolgreichen Behandlung dienen.

Habitueller abort und IVF-Misserfolg

Die ersten drei Schwangerschaftsmonate sind mit einem erhöhten Abortrisiko behaftet. Die Gründe hierfür sind vielfältig.
Häufig sind chromosomale oder genetische Anomalien des Embryos der Grund warum die Entwicklung trotz erfolgreicher Einnistung in der Gebärmutter zu einem abrupten Ende kommt.
Auch können Infektionen des Muttermunds, vor allem mit Chlamidyen, die Fruchtbarkeit reduzieren und Aborte verursachen. Seltener liegt es an uterinen Anomalien oder systemischen Erkrankungen.
Frauen mit wiederholten Aborten leiden häufig an immunologischen oder hämatologischen Erkrankungen. Diese werden auch bei erfolglosen IVF Behandlungen mit guter Emryonenqualität vermutet.
Die Diagnostik besteht in einer sorgfältigen gynäkologischen Untersuchung mit Ultraschall und ausführlichen Labortests.
Erkrankungen dieser Art werden medikamentős mit hochdosierten Vitaminen, Heparin und manchmal Kortison behandelt. Eine weitere therapeutische Option bietet die Gabe von Immunglobulinen, die jedoch sehr umstritten ist. Alle diese Massnahmen zielen darauf ab die Gebärmutter für eine Schwangerschaft empfänglicher zu machen.

Erfolgsrate

Eine Schwangerschaft hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie die Art der Erkrankung, das Alter der Frau und die gewählte Technik der Behandlung. Im Allgemeinen liegt die Schwangerschaftsrate bei über 40% für Frauen zwischen 20-35Jahren, die sich einer IVF Behandlung unterziehen. Embryonen, die das Blastozystenstadium erreichen, weisen eine höhere Implantationsrate auf, die 60% erreicht.

Wie geht es weiter?

Für Terminwünsche wenden Sie sich bitte telefonisch oder mittels Email an die oben angegebenen Adressen.
Zu Ihrem Termin sollten sie nach Möglichkeit Ihren Partner mitbringen. Alle relevanten Unterlagen Ihrer Krankengeschichte sind von Interesse. Die Frau sollte sich auf eine komplette gynäkologische Untersuchung vorbereiten. Der Mann wird gebeten, eine Samenprobe abzugeben.
Ihr Beratungsgespräch ist streng vertraulich und obwohl es hilfreich sein könnte, dass Ihr Hausarzt über Ihre Behandlung informiert ist, wird dies nur mit Ihrem Einverständnis geschehen.